Urban Mining – Städte, Gebäude und Produkte als wertvolle Ressourcen

Auf kaum einem Gebiet wird der ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Druck stärker steigen als beim Umgang mit Ressourcen, sind doch die Endlichkeit fossiler Rohstoffe sowie steigende Umwelt-Emissionen absehbar. Neben dem Bauwesen, das mit fast 50 % der größte Materialverbraucher, mit fast 60 % der größte Abfallproduzent und für 30 % des Wasserverbrauchs verantwortlich ist, spielen auch alle produzierenden Industrieunternehmen dabei eine sehr wichtige Rolle. Deswegen forciert die Vaillant Group Nachhaltigkeitsaktivitäten nicht nur in der Produktion sondern auch im Bereich Entwicklung & Produkte, denn Ressourcenschonung beginnt schon vor der Entstehung eines neuen Produkts.

Recycling ist seit Jahrzehnten ein Thema, das sehr breiten Rückhalt in der Bevölkerung hat. Allerdings beschränkte man sich bislang hauptsächlich auf Verbrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs wie Verpackungsmaterial, Elektrogeräte oder Papier. Viel kurzsichtiger erscheint im Vergleich dazu der Umgang mit weiteren Ressourcen. Denn durch die Rückgewinnung von Rohstoffen aus bestehender Infrastruktur oder Anlagen, die nicht mehr benötigt werden oder defekt sind, eröffnet sich ein enormes Einsparpotential, dem auch eine große wirtschaftliche Bedeutung zukommt.

Was versteht man unter "Urban Mining"?

Der Begriff „Urban Mining“ betrachtet Städte, Infrastruktureinrichtungen, Gebäude sowie alle verbauten Industrieprodukte als Rohstoffminen, in denen wertvolle Ressourcen über unterschiedlich lange Zeiträume gebunden sind. Nicht nur die sinnvolle Sanierung wird mit steigenden Rohstoffpreisen und sinkenden innerstädtischen Freiflächen immer lukrativer, sondern auch die tatsächlich verbauten Materialen gewinnen als „urban Mine“ immer mehr an Wert. Anstatt die Rohstoffe nach ihrer Nutzungsdauer als Müll zu entsorgen, werden sie zu kostbaren Materialien, die im Anschluss für eine Wiederverwendung aufbereitet werden können.

Dabei ist das Thema Recycling bereits schon bei der Planung von Neubauprojekten und den dort zum Einsatz kommenden Produkten relevant. Denn schon in der Planungsphase sollte die Verwendung der Materialien nach der Nutzungsphase des Objekts oder des Produkts berücksichtigt werden. Dazu müssen alle eingesetzten Produkte ökologisch unbedenklich, sortenrein trennbar und kreislauffähig sein. Zudem kann bei der Planung neuer Gebäude auch bewusst auf den Einsatz bereits recycelter Materialien geachtet werden.

Müll und Schrott wird es bei einem geschlossenen Materialkreislauf nicht mehr geben, sondern nur noch wiederverwertbare Rohstoffe.

Verordnungen und Rahmenbedingungen

Im Fahrplan der Europäischen Kommission für ein ressourcenschonendes Europa (2011) heißt es u.a.: „Die Vision: Bis 2050 ist die Wirtschaft der EU auf eine Weise gewachsen, die die Ressourcenknappheit und die Grenzen des Planeten respektiert... Alle Ressourcen werden nachhaltig bewirtschaftet, von Rohstoffen bis hin zu Energie, Wasser, Luft, Land und Böden. Die Etappenziele des Klimaschutzes wurden erreicht, ...“. Die Europäische Bauprodukteverordnung geht mit der CE-Kennzeichnung für Baustoffe einen Schritt in die richtige Richtung. In die europaweit einheitlichen Richtlinien für den Einsatz und die Eignung von Bauprodukten wurde die nachhaltige Nutzung von Ressourcen als wichtiges Kriterium aufgenommen. Das Thema Ressourcenschonung hat damit einen hohen politischen Stellenwert.

In Eigeninitiative positionieren sich mittlerweile auch Unternehmen und Planer gemeinsam zum Thema und versuchen unter dem Credo „Cradle to Cradle®“ die Protagonisten der Branche zu versammeln. Das Prinzip „von der Wiege zur Wiege“, wurde bereits in den 1990er-Jahren von Michael Braungart und William McDonough entwickelt. Dabei geht es nicht nur darum, die Ressourcen in kontinuierliche Stoffkreisläufe zu führen, sondern auch ihre stoffliche Güte zu erhalten. Anstellen eines Downcyclings mit Qualitätsverlust wird ein Upcycling angestrebt.

Produktdesign nach Kriterien des Rohstoffkreislaufs

Um Ressourcen aus Bauabfällen oder Produkten zurückzugewinnen, müssen sie getrennt und sortiert werden. Viele der bislang üblichen Verbundwerkstoffe sind jedoch gänzlich ungeeignet für ein hochwertiges Recycling, da sich die Komponenten nicht mehr sortenrein trennen lassen. Es ist also besonders auch die Aufgabe von Industrie und Herstellern, Überlegungen zu rückbaugerechten Konstruktionen und Produkten anzustellen. Es sind Produkte und Systeme gefragt, deren Design und Komponenten so entwickelt wurden, dass diese nach ihrer Verwendung wieder in ihre einzelnen Bestandteile und Stoffe zerlegt werden können, ökologisch unbedenklich sind und damit der Kreislaufwirtschaft wieder zugeführt werden können.

Die Vaillant Group arbeitet bereits heute bei der Entwicklung und Produktion mit verbindlichen Zielen und konkreten Maßnahmen entlang der Wertschöpfungskette. Diese zeichnen sich durch den Einsatz umweltfreundlicher Materialien und Ressourcen, der Umsetzung von Ökodesign-Standards sowie der Optimierung von Recycling und Abfallentsorgung nach der Nutzung aus.